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Nicht-medikamentöse Therapie: Psychosoziale Interventionen

Psychosoziale Therapiemaßnahmen umfassen alle patientenzentrierten Maßnahmen zur Verbesserung der Befindlichkeit und Adaptationsfähigkeit an das progressiv nachlassende Leistungsvermögen sowie Maßnahmen zur Adaption und Unterstützung des Patientenumfeldes.

Diese Ansätze und ihre Ziele sind breiter gefächert als medikamentöse Interventionen. Im Vordergrund steht meist die Verbesserung der Lebensqualität und "Alltagskompetenz" durch Stabilisierung vorhandener Fähigkeiten und Fertigkeiten oder Steigerung des körperlichen und psychischen Wohlbefindens.

Die Art der eingesetzten Therapieform richtet sich nach der Art der Demenz, dem Stadium der Erkrankung, den Bedürfnissen der Betroffenen und der Betreuungspersonen. In jedem Fall sollte eine kognitive Überforderung vermieden werden, weil diese bei den Patienten und Patientinnen zu Frustration führen kann.

Man kann verschiedenen Interventionstypen unterscheiden:

  • Kognitive Verfahren (kognitives Training, kognitive Stimulation, kognitiven Rehabilitation, Realitätsorientierung, Reminiszenz/ autobiographische Arbeit)
  • Ergotherapie
  • Verhaltenstherapie , z.B. bei komorbiden depressiven Störungen
  • Körperliche Aktivität, z.B. durch Physiotherapie
  • Künstlerische Therapien (Musiktherapie, Kunsttherapie, Tanztherapie)
  • Sensorische Verfahren (Aromatherapie, Snoezelen/ multisensorische Verfahren, Massagen/Berührung, Lichttherapie)

Betreuende sind zur Sicherung der Nachhaltigkeit stets in die psychosozialen Interventionen mit einzubeziehen. Eine besondere Bedeutung im umfassenden Therapiekonzept kommt speziellen angehörigenbasierten Verfahren zu.

Empfehlungen nach DGPPN/DGN-S3-Leitlinie "Demenzen", 2009:
Es gibt Evidenz für geringe Effekte von kognitivem Training/ kognitiver Stimulation auf die kognitive Leistung bei Patienten mit leichter bis moderater Demenz. Die Möglichkeit, an einem strukturierten kognitiven Stimulationsprogramm teilzunehmen, kann angeboten werden.67
(Empfehlungsgrad C, Evidenzebene IIb, Leitlinienadaptation NICE-SCIE 2007)
Realitätsorientierung und Reminiszenzverfahren können in allen Krankheitsstadien aufgrund von geringen Effekten auf die kognitive Leistung zur Anwendung kommen.68
(Empfehlungsgrad C, Evidenzebene IIb)
Es gibt Evidenz, dass ergotherapeutische, individuell angepasste Maßnahmen bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Demenz unter Einbeziehung der Bezugspersonen zum Erhalt der Alltagsfunktionen beitragen. Der Einsatz kann angeboten werden.69
(Empfehlungsgrad C, Evidenzebene IIb, Leitlinienadaptation NICE-SCIE 2007)
Es gibt Hinweise, dass körperliche Aktivierung zum Erhalt der Alltagsfunktionen, Beweglichkeit und Balance beiträgt. Der Einsatz kann angeboten werden. Es existiert jedoch keine ausreichende Evidenz für die systematische Anwendung bestimmter körperlicher Aktiverungsverfahren.70
(Empfehlungsgrad C, Evidenzebene IIb)
Es gibt Hinweise, dass aktive Musiktherapie geringe Effekte auf psychische und Verhaltenssymptome bie Menschen mit Demenz hat. Sie kann empfohlen werden.71
(Empfehlungsgrad C, Evidenzebene IIa)
Rezeptive Musiktherapie, insbesondere das Vorspielen von Musik mit biographischem Bezug ("preferred music") kann geringe Effekte auf agitiertes und aggressives Verhalten haben. Sie kann empfohlen werden.72
(Empfehlungsgrad C, Evidenzebene III)
Die Anwendung von Aromastoffen kann geringe Effekte auf agitiertes Verhalten und allgemeine Verhaltenssymptome bei Patienten mit mittel- bis schwergradiger Demenz haben. Sie kann empfohlen werden.73
(Empfehlungsgrad C, Evidenzebene Ib)
Multisensorische Verfahren (Snoezelen) mit individualisierten, biographiebezogenen Stimuli im 24-Stunden-Ansatz können geringe Effekte auf Freude und Aktivität bei Patienten mit moderater bis schwerer Demenz haben. Sie können empfohlen werden.74
(Empfehlungsgrad C, Evidenzebene IIb)
Es gibt keine ausreichenden Hinweise für einen therapeutischen Effekt von Licht, die eine spezielle Empfehlung in der Anwendung bei Menschen mit Demenz erlauben.75
(Evidenzebene Ib)

Quelle: DGPPN/DGN-S3-Leitlinie "Demenzen", 2009, DEGAM-Leitlinie Nr. 12 Demenz, 2008

Aktualisiert am 04.10.2012 17:54:44