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Therapieansätze bei agitiertem Verhalten und Aggressivität

Agitiertes Verhalten beschreibt einen Zustand der Unruhe mit erhöhter Anspannung und gesteigerter Psychomotorik. Häufig tritt verstärkte Reizbarkeit mit zum Teil konfrontativen (aggressiven) Verhaltensweisen verbaler und körperlicher Art gegenüber anderen auf.

Oft reichen bereits Verständnis, eine Modifikation der Lebens- und Wohnsituation oder einfach gesprochene Handlungsanweisungen aus, um die Betroffenen zu beruhigen. Ein medikamentöser Behandlungsversuch sollte stets erst erfolgen, wenn nicht-medikamentöse Ansätze ausgeschöpft wurden.

Empfehlungen nach DGPPN/DGN-S3-Leitlinie "Demenzen", 2009:
Rezeptive Musiktherapie, insbesondere das Vorspielen von Musik mit biographischem Bezug ("preferred music") kann geringe Effekte auf agitiertes und aggressives Verhalten haben. Sie kann empfohlen werden.71
(Empfehlungsgrad C, Evidenzebene III)
Die Anwendung von Aromastoffen kann geringe Effekte auf agitiertes Verhalten und allgemeine Verhaltenssymptome bei Patienten mit mittel- bis schwergradiger Demenz haben. Sie kann empfohlen werden.73
(Empfehlungsgrad C, Evidenzebene Ib)

Bezüglich des Einsatzes von Antipsychotika, Antikonvulsiva und Antidepressiva spricht die DGPPN/DGN-Leitlinie folgende Empfehlungen aus:

Empfehlungen nach DGPPN/DGN-S3-Leitlinie "Demenzen", 2009:
Haloperidol wird aufgrund fehlender Evidenz für Wirksamkeit nicht zur Behandlung von Agitation empfohlen. Es gibt Hinweise auf Wirksamkeit von Haloperidol auf aggressives Verhalten mit geringer Effektstärke. Unter Beachtung der Risiken (extrapyramidale Nebenwirkungen, zerebrovaskuläre Ereignisse, erhöhte Mortalität) kann der Einsatz bei diesem Zielsymptom erwogen werden.56
(Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ia)
Risperidon ist in der Behandlung von agitiertem und aggressivem Verhalten bei Demenz wirksam. Aripiprazol kann aufgrund seiner Wirksamkeit gegen Agitation und Aggression als alternative Substanz empfohlen werden. Olanzapin soll aufgrund des anticholinergen Nebenwirkungsprofils und heterogener Datenlage bezüglich Wirksamkeit nicht zur Behandlung von agitiertem und aggressivem Verhalten bei Patienten mit Demenz eingesetzt werden*.57
(Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ia, Ib)
Es gibt Hinweise auf eine günstige Wirkung von Carbamazepin auf Agitation und Aggression. Carbamazepin kann nach fehlendem Ansprechen anderer Therapien empfohlen werden. Es ist auf Medikamenteninteraktionen zu achten*.58
(Empfehlungsgrad C, Evidenzebene Ib)
Eine Behandlung von Agitation und Aggression mit Valproat wird nicht empfohlen.59
(Empfehlungsgrad B, Evidenzebene Ib)
Es gibt eine schwache Evidenz für die Wirksamkeit von Citalopram bei agitiertem Verhalten von Demenzkranken. Ein Behandlungsversuch kann gerechtfertigt sein*.60
(Empfehlungsgrad C, Evidenzebene IIb)
* Die Behandlung von Agitation und Aggressivität bei Demenz mit Aripiprazol, Carbamazepin oder Citalopram ist eine Off-label-Behandlung und die Schwierigkeit des Off-label-Gebrauchs ist adäquat zu berücksichtigen.

Quelle: DGPPN/DGN-S3-Leitlinie "Demenzen", 2009

Aktualisiert am 04.10.2012 17:57:19