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Allgemeine Therapieprinzipien bei psychischen und Verhaltenssymptomen (herausforderndem Verhalten)

Über 90% der Demenzerkrankten entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung psychische und Verhaltenssymptome (auch als herausforderndes Verhalten oder nicht-kognitive Störungen bezeichnet), z.B. Unruhe, Agitiertheit, Aggressivität, wahnhafte Überzeugungen, Halluzinationen und Depression. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität sowohl der Erkrankten als auch ihrer Angehörigen und sind häufig der Grund für eine frühe Heimunterbringung.

In der ärztlichen Betreuung sollte immer zuerst auf mögliche auslösende Faktoren geachtet werden (z.B. Medikamente, somatische Begleiterkrankungen, Schmerzen, Veränderung der Umgebung, Reizüberflutung und andere Stressoren).

Die DEGAM-Leitlinie empfiehlt für die Therapie von psychischen und Verhaltenssymptomen ein multimodales Behandlungskonzept und ein strukturiertes Vorgehen in drei Schritten.

Empfehlung nach DGPPN/DGN-S3-Leitlinie "Demenzen", 2009:
Vor dem Einsatz von Psychopharmaka bei Verhaltenssymptomen soll ein psychopathologischer Befund erhoben werden. Die medizinischen, personen- und umgebungsbezogenen Bedingungsfaktoren müssen identifiziert und soweit möglich behandelt bzw. modifiziert werden. Darüber hinaus besteht eine Indikation für eine pharmakologische Intervention, wenn psychosoziale Interventionen nicht effektiv, nicht ausreichend oder nicht verfügbar sind. Bei Eigen- oder Fremdgefährdung, die nicht anders abwendbar ist, kann eine unmittelbare pharmakologische Intervention erforderlich sein. (...) 51
(Good clinical practice, Expertenkonsens)

Medikamentöse Therapie herausfordernden Verhaltens

Medikamente, die zur Behandlung kognitiver Symptome eingesetzt werden (Antidementiva), können auch bei psychischen und Verhaltenssymptomen eine Wirkung zeigen. So gibt es Hinweise auf eine leichte positive Beeinflussung von Verhaltenssymptomen bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Erkrankung für Donepezil und Galantamin, bei moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz für Memantin. Bei psychotischen Symptomen bei Lewy-Körperchen-Erkrankung und Morbus Parkinson scheint Rivastigmin wirksam zu sein.

Oft werden Medikamente zu früh eingesetzt, insbesondere sedierende Substanzen. Diese Substanzen können bei Menschen mit Demenz eine Verschlechterung der Kognition, mögliche paradoxe Reaktionen, eine Erhöhung der Sturzgefahr oder (bei plötzlichem Absetzen) ein Delir bedingen. In Ausnahmefällen kommen Einzeldosen kurzwirksamer Präparate in Betracht. Präparate mit langer Halbwertszeit sollen vermieden werden.

Empfehlungen nach DGPPN/DGN-S3-Leitlinie "Demenzen", 2009:
Die Gabe von Antipsychotika bei Patienten mit Demenz ist mit einem erhöhten Risiko für Mortalität und für zerebrovaskuläre Ereignisse assoziiert. Patienten und rechtliche Vertreter müssen über dieses Risiko aufgeklärt werden. Die Behandlung soll mit der geringst möglichen Dosis und über einen möglichst kurzen Zeitraum erfolgen. Der Behandlungsverlauf muss engmaschig kontrolliert werden.52
(Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ia und III)
(...) Für Patienten mir Parkinson-Demenz, Lewy-Körperchen-Demenz und verwandten Erkrankungen sind klassische und viele atypische Neuroleptika kontraindiziert, da sie Parkinson-Symptome verstärken und Somnolenzattacken auslösen können. Einsetzbare Neuroleptika bei diesen Erkrankungen sind Clozapin und mit geringerer Evidenz Quetiapin.51
(Good clinical practice, Expertenkonsens)
Benzodiazepine sollen bei Patienten mit Demenz nur bei speziellen Indikationen kurzfristig eingesetzt werden. 53
(Empfehlungsgrad C, Leitlinienadaptation SIGN 2006)
Nach diagnostischer Abklärung kann ein Delir bei Demenz mit Antipsychotika behandelt werden. Antipsychotika mit anticholinerger Nebenwirkung sollen vermieden werden.54
(Empfehlungsgrad C, Expertenkonsens)

Quelle: DGPPN/DGN-S3-Leitlinie "Demenzen", 2009, DEGAM-Leitlinie Nr. 12 Demenz, 2008

Aktualisiert am 04.10.2012 17:57:08